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Die Familie Katz  E-Mail
Geschrieben von: Petra Kaup-Clement   

Historische Daten zur jüdischen Familie Heinrich Katz - Kirchgasse 3 (heute Buttenmarkt, städt. Verwaltungsgebäude II)
 
Straßenverzeichnis aus dem Jahre 1934Die jüdische Familie Katz war nachweislich seit 1816 in Hammelburg ansässig (Quelle: Judenmatrikel des Königl. Landgerichts Hammelburg aus dem Jahr 1816, StaWü.)


 
Auszug aus dem neuen Straßenverzeichnis von 1934: Katz Frieda wohnte in der Frobeniusstraße 4. In der Frobeniusstraße 13 befand sich "die Essigfabrik" von Markus und Frieda Katz.Heinrich Katz wurde laut Angaben des Standesamtes Hammelburg am 23. 02. 1893 in Hammelburg geboren. Seine Eltern waren Markus und Frieda Katz, geb. Palm. Markus Katz wurde am 11. 10. 1864 in Hammelburg geboren. Er starb 1920. Seine Frau Frieda, Todesanzeige von Frieda Katz in der Hammelburger Zeitung vom 15. Juni 1935geb. Palm wurde am 24. 02. 1871 in Hammelburg geboren. Sie starb am 13. 06. 1935 im Alter von 64 Jahren in Hammelburg. Markus und Frieda Katz liegen im jüdischen Friedhof Pfaffenhausen begraben.
 
Der Sohn von Markus und Frieda, Heinrich Katz, heiratete am 10. 12. 1925 in Hammelburg Rosa Selling. Rosa Selling wurde am 18. 02. 1897 in Hammelburg geboren. (Quelle Standesamt HAB)
 
HAuszug aus Straaßenverzeichniseinrich und Rosa Katz. geb. Selling wohnten bis 1936 in der Kirchgasse 3 (heute Buttenmarkt, städt. Verwaltungsgebäude II, ehemaliges "neues Feuerwehrhaus"). Sie betrieben dort eine Wein-, Essig - und Spirituosenhandlung. Im Zuge der Arisierungspolitik des NS-Staates mussten Rosa und Heinrich Katz ihr Anwesen in der Kirchgasse 1936 billig an die Stadt verkaufen und Hammelburg verlassen. Annonce aus der Hammelburger Zeitung vom 14. November 1936Am 14. November 1936 annoncierte die Fam. Katz in der "Hammelburger Zeitung", dass sie wegen Wegzugs Einrichtungs-, Haushaltsgegenstände, Kleider und Wäsche preiswert verkauft. (Quelle: HZ, 14. November 1936, Stadtarchiv). In den Daten des Standesamtes Hammelburg ist festgehalten, dass Heinrich und Rosa Katz am 13. 01. 1937 nach New York verzogen sind. Heinrich war zu diesem Zeitpunkt 43 Jahre alt, seine Frau Rosa war 39 Jahre alt, als sie auswandern und die Stadt ihrer Vorfahren und Eltern für immer verlassen mussten.

An der Baulücke stand das Anwesen Katz (ehemals Kirchgasse 3 - heute Buttenmarkt)Das Anwesen der jüdischen Familie Katz ging 1936 in den Besitz der Stadt Hammelburg über.
 
So sieht der Bereich heute ausDie Schwester von Heinrich Katz, Feodora Katz (genannt Dora Katz), die am 02. 11. 1902 in Hammelburg geboren wurde, wohnte im Haus ihres Bruders in der von-Heß-Straße 14 (heute Parkplatz neben dem Vinzenz-Koch-Haus). Dora Katz hat nach Daten des Standesamtes Hammelburg die Stadt Hammelburg am 17. 10. 1936 verlassen, nachdem sie wochenlang von einem Hammelburger Malermeister in einem leeren großen Farbfaß versteckt wurde (Quelle: Zeitzeugin). Dora Katz wurde von der Gestapo gesucht; sie sollte wegen kritischer Äußerungen gegen den NS-Staat verhaftet werden. Dora Katz floh im Oktober 1936 als alleinstehende 33-jährige Frau nach Frankfurt a. M., wo sie bei der jüdischen Familie Löb in der Eschenheimer Landstraße 67/I unterkam. (Quelle: Standesamt Hammelburg). Nach der Reichspogromnacht, die Dora Katz in Frankfurt a. M. erlebte, floh sie nach Frankreich. (Quelle: Jüdisches Museum Frankfurt a. M.) Von dort aus wurde sie deportiert. Nach Angaben der Yad Vashem Data Base kam Dora Katz 1941 in das jüdische Ghetto von Minsk (Weißrussland). Nach Angaben des Gedenkbuches des Bundesarchivs Koblenz traf Dora Katz am 11./12. November 1941 im Ghetto Minsk ein. Ihr Todesdatum ist nicht erfasst. Dora Katz gilt als Opfer des Holocaust.
Das Haus mit Keller, Scheune und Hinterhof der Dora Katz bestand bis Ende der 1960er Jahre. Es war ein kleines unverputztes Backsteinhaus. Es wurde 1936 bis 1939 von der Familie Kilian Kirchner bewohnt. Kirchnar war als Vorarbeiter bei der Stadt Hammelburg beschäftigt. Danach wurde die Scheune von der Kuvertfabrik Hammelburg, die in der Nachbarschaft bestand, zur Altpapierlagerung verwendet. Nach dem Krieg wohnte hier die Hausmeisterfamilie Brendan vom alten Von-Heß-Krankenhaus. Danach wurde die Scheune noch einige Zeit vom Roten Kreuz genutzt.
Wann das Haus der Fam. Katz in der Kirchgasse 3 neben dem alten Progymnasium abgerissen wurde, ist bislang nicht bekannt. "Die Judenmöbel" der Familie Katz und auch anderer jüdischer in der Reichspogromnacht zwangsenteigneter Familien wurden von der Hitlerjugend 1939 in einem Großfeuer am Schützenhaus im Liebenthal verbrannt. (Quelle: Zeitzeugen).
Recherchiert und verfasst von Petra Kaup-Clement