Hammelburger-Album

Mehr als 550 Jahre stand auf dem jetzigen Viehmarkt eine Kirche.

Auf Grund einer vom fuldischen Archivar und Hofrathes Salvo Wald im Jahre 1794 aufgefundenen Steininschrift wurde die Kirche im Jahre 1302 gebaut. Nach den vom Chronisten Doell aufgefundenen Notizen aus dem bischöflichem Domkapitel in Fulda msste sie jedoch schon 1286 gestanden sein. Die Gründe, warum die Bürgerschaft von Hammelburg in der Stadt ein zweites Gotteshaus baute, welches 1477 als "Marienkapelle" bezeichnet wurde, sind nicht ganz klar. Sie schien jedoch nicht von bester Qualität gewesen zu sein, denn bereits 200 Jahre später musste sie im Jahre 1505 umfangreich restauriert werden. 1581 wurde hinter der Orgel eine neue Emporkirche erbaut.
Am 11. Februar 1592 wurde durch M. Georg Horn in diesem Gotteshaus "die erste Leichenpredigt der alte Reuschin getan und gehalten worden".
Nach der Gegenreformation dürfte das mittlerweile bereits wieder baufällige Gebäude wenig benutzt worden sein.
Am 4. Februar 1642 richtete ein Sturmwind am Kirchturm größeren Schaden an und nach dem die "große Glocke zerspalten war", wurde am 20. August 1655 eine neue Glocke aufgezogen die folgende Inschrift hatte:
"Wan Schall von mihr in die statt kracht,
geb ich ein Zeichen guter Wacht,
Darumb hab wohl acht auf dein Feuer,
daß dir mein Schall nicht wird zu theuer."

Danach verfiel die Kirche immer mehr. Lediglich der Turm wurde unterhalten, da er "wegen des Feuers sowohl für die hiesige Stadt als für die umliegenden Ortschaften höchst nötig" sei. Dort hauste der Stadttürmer, welcher gleichzeitig auch Stadtmusikus war.
Am 25. April 1854 läutete die Feuerglocke ein letztes Mal. Bei dem verheerenden Stadtbrand wurden nicht nur größte Teile der Stadt zerstört, sondern auch der letzte Rest der Kirche, der Turm.
Nach dem Brand wurden die Ruinen der Kirche und der Rest des Turmes abgetragen, der Platz, der noch bis mindestens 1874 den Namen "Thürmersplatz" führte, eingeebnet und später zum Viehmarkt bestimmt. Heute trägt der Platz den Namen "Viehmarkt".

Ab Frühjahr 2015 wird der geschichtsträchtige Ort umfangreich saniert.
Mal sehen, ob man Rücksicht auf die letzten Reste eines Bodendenkmals aus der spätmittelalterlichen bis frühneuzeitlichen Zeit nimmt oder versucht, so schnell wie möglich und so viel wie möglich davon zu zerstören.